Samstag, 2. Februar 2013

Mountains in Motion - Notbremse in der täglichen Hast


Es ist wirklich an der Zeit, dieses Blog zu reanimieren. Im vorbeifliegenden Alltag bleibt doch viel zu oft die Luft weg, um einmal durchzuatmen. Um zu verstehen, um zu genießen, um sich zu erinnern. In diesem Fall: zu schreiben. Dabei reicht oft schon eine solche Viertelstunde, wie sie der Kurzfilm "Mountains in Motion" verschenkt. Zeit ist ein kostbares Gut. Sie verlangt, sorgsam investiert zu werden. Was ist eine bessere Anlage als Träume? Genau in diese allzu fremden Sphären verführen die Macher dieses Werkes. Sie sind Brüder im Geiste, Suchende. Findende.

Stellvertretend für all' die Unglücklichen, die es nicht können, ziehen sie die Notbremse. Reißen heraus aus dem Sprint des Lebens. Schaffen mit diesem Film ein Vakuum. Ewigkeit, so ewig wie die Berge. Sie brechen aus. Ziehen ein in eine andere Welt. In ihre Welt.
We were not pioneers ourselves, but we journeyed over old trails that were new to us, and with hearts open. Who shall distinguish?
Monroe Thorington
Wie man sich doch in diesen Worten verlieren kann. Wie es Thorington schafft, in eine bloße Sammlung von Silben so tief einzutauchen, dass er in der Umschreibung seiner Welt auf eben diese aus der Vogelperspektive blickt. Über ihr schwebt. Ihr entgleitet, ohne loslassen zu müssen.

Wo sind sie, die Pioniere? Glauben wir Thorington, dann stecken sie in jedem einzelnen. Warten darauf, ausbrechen zu dürfen. Filme wie dieser lassen die harte Schale reißen, mit der wir die Pioniere in uns einzusperren versuchen. Der ewige Antrieb meldet Ansprüche, will befriedigt werden. Was in Kinderschuhen Sinn des Seins war, ist gerade mal ein paar Jahre später an viel zu vielen Tagen nur noch ein Geist der Vergangenheit. Wobei: Wer glaubt schon an Geister? Der Antrieb, er ist da. Zeit, für einen neuen Schritt.

Mountains in Motion: The Canadian Rockies from The Upthink Lab on Vimeo.

Dienstag, 28. Februar 2012

Der Sound von Unterwegs


Das Fenster herunter gedreht, der kühle Fahrtwind um die Nase, die Sonnenbrille lässig im Gesicht – und nichts als die weite Straße vor der Brust: Roadtrip-Romantik à la carte. Das Gefühl von Freiheit füllt Körper, Geist und Vehikel.

Während im spätwinterlichen Deutschland die Sonne noch alltäglich um jeden Zentimeter am Himmelzelt kämpfen muss, sind es Erinnerungen oder eben Bilder wie diese, die durch die dunkle Jahreszeit geleiten. Das, und: Der IPod. Denn nichts schafft es so unvermittelt ein paar Minuten Freiheit ins Ohr und in den Körper zu zaubern wie die Musik. Immerhin: Vor dem geistigen Auge ist das Fenster herunter gekurbelt, ja. Auch der Fahrtwind und die Sonnenbrille dürfen nicht fehlen, wenn man unverhohlen vom Highway träumt.

Aber damit ist es eben nicht genug. Meist ist doch die Musikanlage noch bis zum Anschlag aufgedreht. Da dröhnt dann, wenn man es mit den Klischees hält, Steppenwolf oder „Highway to Hell“ aus den Boxen. Oder die Country-Barden von Rascal Flatts schmettern so unerhört lebensfroh „Life is a Highway“.

Gerade jetzt, wenn es draußen immer noch viel zu früh dunkel ist und die grau-graue Wolkenmelange jegliche Aufhellung verhindert, sind es aber vielleicht auch die ruhigen Songs. Wenn man daheim auf dem Sofa liegt, sich die Rückkehr auf die Straße herbeiwünscht und dabei die leicht knarzende Stimme Bob Dylans hört, wie auch er in „Shelter from the Storm“ Zuflucht sucht, oder glaubt: Tomorrow is a long Time.

Neue Kulturen, neue Menschen, fremde Orte. All das treibt den Menschen an, „Unterwegs zu sein“. Letztlich aber ist es immer auch eine Jagd nach Erinnerungen. Denn der Moment in der Fremde ist vergänglich. Der Gedanke an ihn nicht. Um seiner Konservierung Willen klammern wir uns doch an die wenigen Dinge, die uns aus diesen vergangenen Tagen bleiben. Und da reicht eben häufig schon diese kleine Ansammlung von Noten, Akkorden, Harmonien.

"Musik - die Melodie, zu der die Welt der Text ist“ - Arthur Schopenhauer (1788-1860)


So schaffen es die Bright Eyes, mit „Lua“ den atemberaubenden Sonnenuntergang über der Sandsteinwüste Utahs in mein Wohnzimmer zu bringen. Sofort spüre ich die Wärme der hinter den Canyons versinkenden Sonne auf der Haut, bin zurück. Zurück auf den Felsen, auf denen wir saßen, während Luas Klänge aus der offenen Autotür leise für etwas ewig Greifbares sorgten.

Schließe ich die Augen, muss ich mich erinnern, wo ich bin: Zuhause. Auf dem Sofa. Das ist so viel bequemer als der harte Felsen. Ich würde sofort tauschen – und danke den Bright Eyes.